Chilli- Kult-Heilpflanze-Gewürz
In letzter Zeit wird Chili immer beliebter und besitzt mittlerweile Kult-Charakter. Unzählige Sorten aus aller Welt finden immer mehr Liebhaber. Ob Größe, Farbe, Schärfegrad der Chilis, die Früchte bieten eine unglaubliche Vielfalt an verschiedensten Highlights. Marktplätze und Tauschbörsen im World wide web machen es leicht, die verschiedensten Chilis zu erstehen. Wir arbeiten im Moment mit ca. 20 verschiedenen Chilisorten. Chili hat ganz außergewöhnliche Eigenschaften und Wirkungen auf unseren Organismus so dass Chili in diesem Büchlein ein eigenes Kapitel gewidmet ist.

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Chili Botanik
Nachtschattengewächs (Solanaceae) - Gattung Paprika (Capsicum) - Botanisch gesehen sind die Früchte Beeren.

Arten:

Capsicum annuum:
1 jähriger Entwicklungszyklus weltweit die meist angebaute Art der Gattung Capsicum, fast alle Paprikas und Chilis, gehören zu dieser Art.

Capsicum frutescens:
Ursprung Südamerika, in Mittelamerika und im Süden der USA verbreitet. Tabasco ist der bekannteste Vertreter. Großteils spitze Früchte.

Capsicum baccatum:
Der Begriff "baccatum" heißt so viel wie beerenartig, deren Früchte sehr klein und beerenförmig sind. Man konnte sogar nachweisen, dass die Inkas diese Früchte schon kultiviert haben. Viele Arten tragen das Wort "Aji", = südamerikanischer Ausdruck für Chili. Capsicum baccatum bringt die größten Vertreter der Gattung Capsicum hervor. Ohne weiteres über 2 Meter Höhe.

Capsicum chinense Jacq.:
Die schärfsten Sorten unter den Chilis. Gedeihen nur in feuchttropischem Klima wirklich gut. Sorten: Scotch Bonnet und Madame Jeanette, Bhut (Bih) Jolokia (Schärfeweltmeister 1,1 Mio. Scoville), Naga Morich. Capsicum pubescens Ruiz et Pav.: leitet sich aus er Sprache der Inkas ab. Der Begriff "pubescens" beschreibt die Pflanze und bedeutet so viel wie behaart, Triebe, als auch Blätter sindleicht behaart.

Wildarten:
unglaubliche Vielfalt. Wird in Südamerika oft als Tischgewürz, wie bei uns Salz & Pfeffermühle, gereicht.


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Von der Aussaat bis zur Ernte

Samen: bekommt man in gut sortierten Gärtnereien, im Internet. Tauschbörsen oder auch als Mitbringsel aus dem Urlaub. Unsere Koreachilis brachten Stammgäste als kleines Geschenk mit.

Aussaat: Januar bis März, Samen evtl. Einweichen. Regenwasser oder besser noch in einer Salpeter-Kaliumnitrat-Lösung. Dauer 4 - 12 Stunden. Die Samen am Besten in Kokossubstrat setzen (5-10 mm tief). Aussaaterde geht auch. Keimdauer: 3-14 Tage. Die Erde immer gleichmäßig feucht, aber nicht nass alten. Ist das Wasser zu kalt, kommt es zu einer Schockwirkung bei den Pflanzen. Chili- und Paprikapflanzen benötigen - vor allem zum keimen - hohe Temperaturen (22-30°C). Heizmatte tut gute Dienste. Nach der Keimung ist genügend Licht das Wichtigste.

Pikieren: nach der Bildung des zweiten Blattpaares. In gute Tomaten - oder Gemüseerde. Normale Blumen- oder Gartenerde.

Umtopfen: Chilis brauchen genügend Platz im Topf, Dünger; vorzugsweise Tomatendünger, Hornspäne, andere organische Dünger. Nicht überdüngen. Chilis können in wärmeren Gebieten direkt ins Freiland gepflanzt werden.
Überwintern: ist grundsätzlich immer möglich. Nach dem 1. Anbaujahr viel höhere Ernte. Etwas dunkler und kühler stellen. 10°C sind ausreichend. Weniger gießen.

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Schärfe:
Der Schärfegrad wird herkömmlich von 1 (ganz leicht scharf) bis 10 (extrem scharf), eingeteilt. Fachlich wird die Schärfe von Capsicum in Scoville gemessen. Die Scoville-Schärfeeinteilung, kurz SCU, erklärt sich wie folgt: 1 ml aufbereitetes Chili wird mit Wasser vermengt bis die Schärfe verschwindet.
Z.B.: Benötigt man 1 l Wasser zum Neutralisieren der Schärfe von 1 ml aufbereitetem Chili, beträgt die Schärfe 1000 SCU. Entwickelt wurde diese Verfahren 1912 vom Pharmakologen Wilbur L. Scoville, der das Capsicum zur Salbenherstellung verwendete. Heutzutage wird der Schärfegrad mittels eines Hochleistungs-Flüssigchromatographie-Tests ermittelt und dann in der Scoville-Scala eingegeben.

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Sorten:
Wie viele Chilissorten existieren, kann niemand genau sagen; es sind auf alle Fälle unzählig viele. Hier stellen wir ein paar Sorten, nach Schärfegrad sortiert, vor. O (0 SCU): Medusa, Banana Sweet, Cubanelle, Feher, alle Gemüsepaprikasorten, Yolo Wonder. 1 (0 - 1 t (eintausend) SCU): Cherry (mild), Baby Bell, Aji Dulce Amarillo, Aconcagua. 2 (1 - 1,5 t SCU): Anaheim, NuMex Big Jim, Indonesia, Aji Brazilian Red Olive, Poblano. 3 (1,5 - 2,5 t SCU): Ancho, Bressepaprika, Dutch Orange, Mulato, Pasilla, Espanola, Alma Paprika. 4 (2,5 - 5 t SCU): Espelette, Cascabel, Turuncu Spiral, Laos Finest, Fresno, Black Hungarian, Yellow Wax Hot. 5 (5 - 15 t SCU): Jalapeno, Halblanger Vulkan, Bishops Crown, Civitella. 6 (15 - 30 t SCU): Aji Amarillo, Aji Angelo, Peter Pepper, Fire Cracker, Serrano. 7 (30 - 50 t SCU): De Arbol, Brazilian Starfish, Sarit Gat, Sibirischer Hauspaprika, Criolla Sella. 8 (50 - 100 t SCU): Thai, Cayenne, Tabasco, Assam, Kung Pao, Orange Pique, Little Black Beauty. 9 (100 - 350 t SCU): Rocoto, Piri Piri, Pequin, Malagueta, Inca Berry, Long Purple Cayenne. 10 (350 - 500 t SCU): Habanero, Yellow Bumpy, Scotch Bonnet, Madame Jeannette, Fatalii, Tepin. 10+ (ab 500 t SCU): Habanero Red Savina, Habanero Francisca, Naga Jolokia, Naga Morich. Reines Capsaicin hat 16 Millionen SCU. Piment d’Espelette ist der berühmteste Europäische Chili, (4). Aus ihm wird das berühmte und teure Gewürz hergestellt

Eigenschaften:
Capsaicinoide lösen sich in fettigen und alkoholischen Stoffen, in Wasser dagegen nicht. Sie sind fungizid und antibakteriell. Deshalb wirken sie konservierend (als Konservierungsmittel). Das Brennen im Mund und in den Lippenwinkeln wird nur durch fett-oder ölhaltige Lebensmittel wie Käse, Öle, usw. neutralisiert. Brot hilft dagegen so gut wie nichts; Wasser oder andere alkoholfreie Getränke (Ausnahme Milch) verstärken sogar die Schärfe durch schnellere Verbreitung im Mund. Der Scharfmacher aktiviert die entsprechenden Wärmerezeptoren und es wird auch ein leichter Schmerzimpuls an das Gehirn, das nun verstärkt Endorphine produziert, gesendet. Vermutet wird, dass auf diese Weise eine leichte Sucht nach scharfen Speisen entsteht.

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Heilwirkung:
stoffwechselanregend, antibakteriell, betäubend, durchblutungsfördernd, schweisstreibend, Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche, Blähungen, Magenschwäche, wurmtreibend, Hämorrhoiden, Rheuma, Kreislauf anregend, Hautreizend, Muskelschmerzen, Muskelkater, Rückenschmerzen, Nackenschmerzen, Verspannungen, Zerrungen, Hexenschuss, Ischias, Gelenkschmerzen.

Inhaltstoffe:
Capsaicin, Carotinoide, Capsanthin, Capsorubin, Vitamin. A: eine sensationelle Bereicherung für unsere Küche. Alle Gerichte bekommen einen kulinarischen Kick und sind leichter verdaulich. Wir verarbeiten frischen Chili zu Ölen, Essig, Salatsoßen, Marinaden, Kräuterbutter, Pestos, beim Brotbacken, als fannenbeigabe zu Fleisch, Fisch & Lamm, manchmal auch zu süßen Gerichten (warme Schoko-Chilisoße). Eine absolute Kombination ist Chili mit frischem Ingwer, Rosmarin & Knoblauch. Die wahrscheinlich gesündeste Würze. Aus getrocknetem Chili bereiten wir unsere eigenen Gewürzmischungen und Chilisalze.

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